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Familie Beiers Selbstversorgergarten

Heute sind wir mit Margrit und Günter Beier in ihrem privaten Selbstversorgergarten in Flachstöckheim / Salzgitter verabredet. Nach unseren ersten eigenen Erfahrungen im Gemüseanbau bei den Ackerhelden sind wir neugierig geworden auf gelebtes Selbstversorgertum und sind erstaunt als wir ihren Garten betreten: Er ist nicht groß, und wo man hinsieht blüht und surrt es, es gibt einen Teich und lauschige Plätzchen, Rosen und Staudengewächse wechseln sich mit Kräutern und Gräsern ab, Terrasse und Wintergarten sind mit Kübeln und selbstgefertigten Töpferobjekten bestückt. Man fühlt sich ganz umfangen von der naturnahen Gartenidylle… und fragt sich: Wo ist das Gemüse?

 

An einem Tisch auf der schattigen Terrasse bekommen wir frisch gepflückten Kräutertee serviert.

Familie Beier, wo ist das Gemüse, mit dem Sie sich selbst versorgen?

Günter B.: Neben dem Haus haben wir drei Hochbeete und ein Erdgewächshaus. Damit können wir uns ziemlich gut selbst versorgen.

Wie haben Sie das erreicht?

Margrit B.: Angefangen hat alles vor vielen Jahren mit einem Mietgarten und der Zeitschrift Kraut & Rüben, einem Magazin für biologisches Gärtnern, das mich in vielen Dingen inspiriert hat, auch was die Hochbeete betrifft. Diese haben wir vor 25 Jahren angelegt. Nachdem dann unsere vier Kinder von zu Hause ausgezogen waren, reichten diese für unseren Gemüsebedarf aus, so dass wir den gepachteten Garten nicht mehr brauchten. Mit den Hochbeeten erzielen wir bedeutend höhere Erträge als auf herkömmlichen Beeten und decken damit den überwiegenden Teil unseres Gemüsebedarfs.

Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen und biologischen Ansatz. Über das Zupflanzen von Kräutern beispielsweise erzeugen wir eine gesunde Mischkultur, kleinere Populationen von Ungeziefern (z.B. Blattläuse) lassen wir am Leben – oft reguliert sich der Befall von selbst auf ein verträgliches Maß. Auch Pestizide und Kunstdünger kommen bei uns selbstverständlich nicht zum Einsatz, dafür unser eigener Kompost. Pflanzenreste verbleiben als Mulch auf dem Beet und leisten so einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Bodenfruchtbarkeit.

 

Hat das Selbermachen bei Ihnen einen besonderen Stellenwert?

Günter B.: Ja. Wir versuchen, unser Wissen und die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und immer individuelle Lösungen zu finden. Das Regenwassersammelsystem oder der Sonnenschutz für die Terrasse sind Beispiele. Das Erdgewächshaus kam 2010 hinzu. So wie der Wintergarten und das meiste andere hier, ist auch dieses selbst gebaut. Es ermöglicht uns die Ernte bis in den Winter hinein, da wir neben der Sonneneinstrahlung auch die Erdwärme nutzen. Außerdem ist die Arbeit viel bequemer, da man sich nicht bücken muss.

In dieser Saison kooperieren Sie mit dem BUND und testen auf einem Ihrer Hochbeete Terra Preta (Schwarzerde). Was hat es damit auf sich?

Günter B.: Die nährstoffreiche Schwarzerde (auch Terra Preta oder Amazonaserde) besteht aus Pflanzenkohle, Kompost, Mist und Urgesteinsmehl. Diese Komponenten werden mit Mikroorganismen angereichert, durchlaufen einen mehrwöchigen Fermentierungsprozess und sollen dadurch ohne weiteres Zutun einen dauerhaften Humusaufbau ermöglichen. Wir vergleichen die Terra Preta nun mit Bokashi-Kompost und herkömmlichem Kompost – die Unterschiede sind enorm! Das Gemüse wächst und gedeiht hervorragend und wir rechnen mit einer zusätzlichen Fruchtfolge. Nebenbei leisten wir einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz, da der Abbau der Torfmoore reduziert wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Verlaufe unseres Gesprächs erfahren wir von 1000 weiteren Kleinigkeiten. Frau Beiers Töpferarbeiten dekorieren nicht nur den Garten, sondern werden auch verkauft. Herr Beier schreibt und verlegt Kinderbücher. Joghurt-Becher werden nicht weggeschmissen, sondern auf dem nächsten Gartenflohmarkt als Pflanzgefäße für Tomaten wiederverwendet. Wir verstehen immer besser, dass es hier nicht um die Selbstversorgung allein geht, sondern dass sie nur ein Aspekt einer Lebenseinstellung und eine selbstverständliche und natürliche Konsequenz daraus ist. Die beiden strahlen Zufriedenheit aus.

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