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Ackerhelden

Unsere Suche nach spannenden Gartenprojekten führte uns heute nach Dibbesdorf, auf den Acker der Ackerhelden. Die beachtlich große Fläche liegt nahe der Berliner Heerstraße, auf dem Land des Bioland Bauernhofes von Bernd Barnstorf-Brandes. Nebenan grast eine Herde junger Rinder. Es gibt eine Picknickbank und einen Geräteschuppen, ein Zaun schützt die jungen Pflänzchen vor allzu gefräßigen Wildtieren. Auf dem Acker arbeiten ein paar Ackerhelden mit Hacken und Gießkannen an ihrem Gemüse.
Wir sind mit Tobias, einem der beiden Gründer der Ackerhelden, verabredet.

 

Hallo Tobias, du hast 2012 mit deinem Freund Birger die Ackerhelden gegründet, was war eure Motivation?

Birger und ich haben zusammen in Bochum Sportmarketing studiert und sind nach dem Studium beide in die Wirtschaft gegangen. Wir haben zunächst einmal die ganz klassische Karriere angestrebt und waren beide erfolgreich in unseren Jobs. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass uns das nicht reicht. Also haben wir die Ackerhelden gegründet, mit dem festen Glauben daran, dass es möglich ist Leute, die sich bisher nicht besonders für Gemüseanbau und die Herkunft ihrer Lebensmittel interessiert haben, durch den eigenen Acker wieder näher an diese Themen heranzubringen. Für diese Idee leben wir jetzt wieder wie Studenten, aber wir bekommen sehr viel schöne Resonanz von den Ackerhelden, und das belohnt uns auf eine ganz andere Art.

Jeder kann bei euch Ackerheld werden, wie befähigt ihr komplette Gemüseanbauanfänger dazu ihre Parzelle erfolgreich zu beackern?

Zunächst einmal sind unsere Äcker alle vorbepflanzt, wir nehmen den Ackerhelden so die Angst vor dem blanken Boden. Man kann sofort loslegen: hacken, gießen und Beikräuter zupfen. Jetzt, etwa vier Wochen nach dem Saisonstart, sind die Radieschen bereits erntereif – das erste Erfolgserlebnis!
Für den Acker gibt es eine detaillierte Anleitung, und über die Saison verteilt verschicken wir die Heldenmail mit praktischen Tipps und Tricks zum Ackern aber auch zum Weiterverarbeiten und Haltbarmachen.
Schön zu sehen ist, wie sich das Interesse der Ackerhelden, die nun schon die zweite oder dritte Saison dabei sind, erweitert. Es werden zum Beispiel vermehrt Fragen zu Beikräutern und deren Verwendung als alternative Gemüse und Salatpflanzen gestellt. Es freut uns sehr, dass wir mit unserer Idee die Lebensmittelproduktion wieder näher an die Konsumenten zu bringen gut ankommen, und wir passen unsere Beratung laufend an diese Resonanz an.

Eure Äcker sind deutschlandweit an 18 Standorten zu mieten. Alle eure Standorte sind biozertifiziert. Warum ist euch das wichtig?

Unsere Ackerhelden sind nicht nur Konsumenten Ihres Gemüses, sondern sie wühlen auch die ganze Saison über mit ihren eigenen Händen in der Erde, da wollen wir keine Pestizide und schwermetallhaltigen Düngemittel im Boden haben. Das verträgt sich nicht mit unserem Anspruch an Gesundheit, Freude und Spaß an der Sache. Eigentlich machen wir uns damit das Leben schwer, an manchen Standorten gibt es nur einen Biobauernhof als möglichen Partner für uns. Den müssen wir dann von unserer Idee überzeugen.

Gibt es Möglichkeiten die eigene Parzelle zu individualisieren?

Die Parzellen sind zunächst einmal alle gleich bepflanzt. Wir wählen die Pflanzen auf die regionalen Bedingungen angepasst aus und berücksichtigen die verschiedenen Vorlieben von guter und schlechter Nachbarschaft bei unserem Saatplan.
Bei den späteren Pflanzpaketen kann jeder Ackerheld selbst entscheiden welche der Jungpflanzen aus der Auswahl auf der eigenen Parzelle wachsen sollen. Darüber hinaus ist es möglich von unseren Bio-zertifizierten Saatguthändlern eigenes Saatgut zu erwerben. Dann muss uns genau mitgeteilt werden, was zusätzlich gepflanzt wurde, da wir im Rahmen der Bio-Richtlinien dazu verpflichtet sind, genau zu dokumentieren welche Pflanzen auf unseren Äckern wachsen. Die vielleicht einfachste und schönste Individualisierungsvariante ist der Tausch unter den Ackerhelden nach der Ernte.

Vielen Dank für das Interview!

Wir sitzen noch ein Weilchen mit Tobias auf der Picknickbank in der Sonne und erfahren von Ackerhelden, die Gedichte schreiben, von Halbstarken, die auf dem Acker in Solingen die Wassercontainer auslaufen lassen, und der schönen Geschichte von Vater und Sohn, die auf dem Acker gemeinsam Dinge lernen, von denen beide noch keine Ahnung haben.
Wir erfahren auch, dass der LKW mit den Berliner Jungpflanzen für die Vorbepflanzung seine Ladung dieses Jahr versehentlich nach Braunschweig gebracht hat. Statt die Pflanzen wegzuschmeißen, gibt es hier nun nahezu 90 Parzellen anstelle der geplanten 68. Das hat dazu geführt, dass überzählige Ackerstücke unter den Ackerhelden verlost und an soziale Einrichtungen sowie auch an uns vergeben wurden. Das Angebot von Tobias selbst mitzuackern nehmen wir gerne an. Nun sind wir auch Ackerhelden! Was für ein Tag.

Eine klitzekleine Idee, was wir mit den Früchten unseres Acker anstellen werden, haben wir auch schon. Freut Euch drauf, denn wir werden nicht alles alleine essen…

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