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Statt-Stadt-Garten

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Kürzlich waren wir zu Besuch im Statt-Stadt-Garten Bebelhof. Hier gibt es seit diesem Jahr einen sehr schönen Urban Garden für jeden, der schon immer einmal mitten in der Stadt und in Gemeinschaft gärtnern wollte.

Wir sind sofort gefangen von diesem tollen Ort! Die Hochbeete stehen in geordneter Unordnung auf dem Gelände eines ehemaligen städtischen Bauhofes, und darin sprießen schon die ersten Pflänzchen. Um uns herum ein geschäftiges Treiben. Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und arbeiten an ihrem Upcycling Projekt, die ersten Workshopbesucher sind bereits da und schlendern von Beet zu Beet und die garteneigenen Bienen summen um uns herum und verrichten fleißig ihre Arbeit.
Im Statt-Stadt-Garten sind wir mit Ute Koopmann verabredet. Sie hält im Garten die Fäden in der Hand und ist so etwas wie die gute Seele des Projektes. Mit ihr haben wir das folgende Interview geführt…

 

Nach dem kleinen, feinen Hofgarten im Hof der Volkshochschule hat nun dieser wunderschöne, große Garten auf dem ehemaligen Bauhof eröffnet. Wie funktionieren die Gärten und worin unterscheiden Sie sich?

Die Gärten sind beide Gemeinschaftsprojekte die jedem Interessierten offen stehen. Bei uns kann jeder der sich fürs gemeinsame Gärtnern interessiert mitmachen und sich einbringen. Der kleinere Hofgarten auf dem Gelände der Volkshochschule besteht bereits seit letztem Jahr, und es hat sich eine feste Gemeinschaft gebildet. Wir hatten letztes Jahr großes Glück mit unserem Experiment und haben uns nun dieses Jahr an den deutlich größeren Statt-Stadt-Garten gewagt. Dieser Garten befindet sich noch im Aufbau. Ende dieses Jahres wird es hier wahrscheinlich einhundert Hochbeete und diverse Pflanzsäcke geben. Hier kann sich jeder der neu dazu kommt ganz einfach mit eigenen Ideen einbringen, vieles ist noch nicht zu Ende gedacht und neue Ideen sind herzlich willkommen.

Was ist das Ziel des Statt-Stadt-Gartens?

 Der Statt-Stadt-Garten ist in erster Linie ein Treffpunkt, an dem sich die unterschiedlichsten Menschen durch das gemeinsame Tun begegnen können. Der Stadtteil Bebelhof hat mit einigen sozialen Herausforderungen zu kämpfen. Die Zwanglosigkeit des Angebots setzt die Mitmach-Hemmschwelle herab, somit kann der Statt-Stadt-Garten einen guten Beitrag zur Verbesserung leisten. Gleichzeitig verstehen wir uns aber nicht als Sozialprojekt, sondern als urbaner Garten nach dem Vorbild der Berliner Prinzessinnengärten – also als innerstädtischer Garten, der allen offen steht und der es Städtern ermöglicht sich ihr eigenes Gemüse anzubauen ohne die Verantwortung für einen ganzen, eigenen Garten zu übernehmen. Neben dem Gärtnern würden wir gerne auch kulturelle Angebote schaffen, wir hätten gerne noch eine Bühne und Bestuhlung für Aufführungen. Auch einen Skulpturengarten oder andere Installationen können wir uns hier gut vorstellen. Gerade in diesem kulturellen Bereich ist noch sehr viel Raum um sich mit Vorschlägen und Anregungen oder eigenen Projekten einzubringen.

Wie ist der Statt-Stadt-Garten organisiert?

 Der Träger des Gartens ist die Volkshochschule Braunschweig. Große Unterstützung bekommen wir von der Stadt Braunschweig die uns dieses tolle Gelände und unser Gebäude zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung stellt.
Der Betrieb des Gartens gliedert sich in drei Bereiche. Vormittags arbeiten auf dem Gelände zehn AGH-Kräfte (Anm. 1-Euro-Jobs), ein Gärtner und eine Sozialpädagogin. Nachmittags wird der Garten von Ehrenamtlichen und ein paar über die Bürgerstiftung finanzierten Honorarkräften bewirtschaftet. Den dritten Bereich bilden die Dienstags-Workshops. Diese kostenlosen Workshops werden zum Beispiel von Lisa und Robert aus den Berliner Prizessinnengärten oder Burkhard Bohne, der hier in Braunschweig diverse Gartenprojekte betreut, gehalten. Wir haben hier sogar einen einjährigen Imkerworkshop, in dem unsere Teilnehmer eine ganze Saison von erfahrenen Braunschweiger Imkern angeleitet werden.

Wie kann ich mich konkret einbringen und wann wäre ein guter Zeitpunkt vorbeizuschauen?

Der Statt-Stadt-Garten ist während der Öffnungszeiten für jeden Interessierten offen. Eine gute Möglichkeit ist es, zu einem der Workshops vorbei zu kommen, dann sind immer viele Leute da, die gerne Fragen beantworten und einen Einblick geben können. Die Workshops werden auf unserer Facebookseite „Freunde des Gemeinschaftsgarten Bebelhof“ angekündigt. In den nächsten Wochen wir es Workshops zu den Themen: Imkern mit den Okerbienen, Biologische Schädlingsbekämpfung, Gemüse und Kräuter im Dörrapparat trocknen, Kräuteressig herstellen und Pilze selbst anbauen geben.
Bei uns sind viele Varianten der Teilhabe denkbar. Vom gelegentlichen Besuch, über die Teilnahme an den Workshops mit anschließendem gemeinsamen Gärtnern bis hin zur verlässlichen Übernahme von Gießdiensten oder der Beteiligung an Themengruppen zur Planung des Gartens. Alle Angebote im Statt-Stadt-Garten sind kostenlos.

Wer erntet im Statt-Stadt-Garten?

Bei uns darf jeder ernten, der mit gegärtnert hat. Nach den tollen Erfahrungen im Hofgarten, wo wir nach jedem Erntetag einen großen Tisch mit den geernteten Früchten aufgebaut und die Ernte untereinander aufgeteilt haben, glauben wir, dass sich das auch hier in ähnlicher Weise einspielen wird. So verstehen wir diesen Garten auch: er ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem sich derartige Fragen in der Gemeinschaft auf Vertrauensbasis regeln. Schön ist es auch immer, wenn die daraus zubereiteten Köstlichkeiten zum nächsten Termin mitgebracht und von allen probiert werden.

Vielen Dank für das Interview!

Am Ende des Interviews streifen wir noch ein wenig durch den Garten, in dem inzwischen die Workshops begonnen haben und machen unsere Fotos. Wir sind begeistert vom neuen Stadt-Statt-Garten und genießen ihn noch ein bisschen, bevor wir uns glücklich auf den Weg nach Hause begeben.

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